passing lines ist eine interdisziplinäre Performance-Installation an der Schnittstelle von Zeichnung, Skulptur, Tanz und Raumgestaltung. Ausgangspunkt sind feine Drahtobjekte – gewissermaßen in den Raum übertragene Linienzeichnungen –, die Architektur nicht nur strukturieren, sondern als bewegliche Elemente selbst Teil einer choreografischen Dynamik werden. In einem präzise komponierten Dialog treten Tänzer:innen mit diesen linearen Gebilden in Beziehung: Sie umkreisen, berühren, verschieben und stapeln sie, vermessen sie durch Bewegung und Präsenz. So entsteht eine „performative Zeichnung im Raum“, in der Körper, Linie und Umgebung ein temporäres Gefüge bilden und sich wechselseitig neu definieren.
Die Arbeit verhandelt grundlegende Fragen nach Raum, Wahrnehmung und Verkörperung. Der Raum erscheint nicht als statische Gegebenheit, sondern als relationales Feld, das erst im Vollzug – im Handeln und Wahrnehmen – Bedeutung gewinnt. Die Linie, traditionell Trägerin von Abgrenzung und Kontur, wird hier zu einem offenen System von Möglichkeiten: Sie ist Grenze und Verbindung zugleich, Struktur und Bewegung. Indem die Performer:innen die Drahtobjekte kartografieren, entsteht ein Prozess des fortwährenden Vermessens, der an phänomenologische Ansätze erinnert – Raum wird nicht betrachtet, sondern leiblich erfahren. Maßstab, Ordnung und Orientierung sind keine festen Größen, sondern werden im Moment der Aufführung neu ausgehandelt.
Entwickelt wurde die Arbeit im Rahmen einer semesterübergreifenden Projektarbeit an der Folkwang Universität der Künste und uraufgeführt im Museum Folkwang. Weitere Präsentationen folgten unter anderem im tanzhaus nrw sowie auf internationalen Festivals.
