circular angles ist eine raumgreifende Performance-Installation, die das Verhältnis von Körper, Konstruktion und Raum in einer konzentrierten Versuchsanordnung untersucht. Im Zentrum steht ein großer, mobiler Würfel aus Aluminiumstangen – ein reduziertes Gerüst, das wie eine dreidimensionale Zeichnung im Raum erscheint. Vier Performer:innen treten mit, durch und gegen diese Struktur in Aktion: Sie pressen, lehnen, hängen, tragen und verschieben sie. So entsteht ein dynamisches Geflecht aus Linie, Bewegung und Spannung, in dem starre Winkel in kreisende Bewegungen überführt werden und architektonische Strenge choreografische Offenheit freisetzt. Linien werden zu Bewegungen, Konstruktion wird Handlung – der Raum selbst gerät in einen Zustand fortwährender Transformation.
Die Arbeit refklektiert den Raum nicht als neutrale Hülle, sondern als prozessuales Gefüge, das durch Körper erst hervorgebracht und zugleich irritiert wird. Der Würfel fungiert als Ordnungssystem, als rationales Koordinatennetz – und wird doch durch die leibliche Präsenz der Performer:innen verschoben, destabilisiert und neu konfiguriert. Der Körper erscheint dabei in einer doppelten Rolle: als Maßstab, der Architektur erfahrbar macht, und als Störmoment, das ihre Stabilität infrage stellt. In dieser Wechselwirkung wird deutlich, dass Konstruktion und Organismus keine Gegensätze sind, sondern sich gegenseitig bedingen. Raum entsteht hier als Ereignis – als Aushandlung zwischen Widerstand und Anpassung, zwischen Geometrie und Bewegung, zwischen Fixierung und Fluss.
circular angles ist Teil einer künstlerischen Entwicklung, die performative Zeichnung zunehmend in begehbare und bewegliche Raumkörper überführt und damit die Grenze zwischen Skulptur, Choreografie und Architektur neu denkt.