spectators only ist eine performative Installation, in der Videoporträts, Live-Performance und Klang in einen stillen, zugleich spannungsvollen Dialog treten. In einem transparenten, begehbaren Kubus begegnen sich Körper und Projektion: Reale Präsenz trifft auf ihr aufgezeichnetes Gegenüber. Die Arbeit kreist um Fragen von Sichtbarkeit, Beobachtung und dem Wunsch, gesehen zu werden – und verlagert diese Fragestellung unmittelbar auf die Besucher:innen selbst. Entwickelt wurde das Projekt an der Folkwang Universität der Künste und unter anderem im Museum Folkwang sowie im tanzhaus nrw und auf internationalen Festivals präsentiert.
Im Zentrum stehen vier Personen, deren Gesichter in einem Studio aufgenommen wurden, während sie zehn Minuten lang stumm in die Kamera blicken. Diese konzentrierten Videoporträts werden auf eine durchlässige Gaze projiziert, die die Vorderwand des Kubus bildet. Nach und nach betreten die Performer:innen den Raum und setzen sich ihrer eigenen Aufnahme gegenüber – ein Gegenüber, das blickt, aber nicht reagiert. Es entsteht eine eigentümliche Konstellation: ein Spiegelbild ohne Erwiderung, eine Präsenz ohne Resonanz.
Begleitet wird die 48-minütige Installation von einer Soundcollage aus improvisierten, fragmentierten Sätzen wie „Meer ist Freiheit“, „Ich bin ein Tier“ oder „Ich spüre dich nicht mehr“. Die Stimmen überlagern sich, lösen sich auf, entziehen sich eindeutiger Zuschreibung. Klang, Bild und Körper verschränken sich zu einem Zustand zwischen Intimität und Distanz.
spectators only reflektiert das Verhältnis von Subjekt und Blick. Wer sieht hier eigentlich wen? Die Transparenz der Projektionsfläche ermöglicht eine doppelte Perspektive: Die reale Person bleibt durch ihr digitales Abbild hindurch sichtbar und wird zugleich Teil des projizierten Bildraums. Damit verschiebt sich die Grenze zwischen Betrachtenden und Betrachteten. Die Besucher:innen erkennen sich selbst als Mitwirkende eines Gefüges aus Beobachtung und Projektion. Präsenz erscheint nicht als stabile Eigenschaft, sondern als fragile Konstruktion im Spannungsfeld von Wahrnehmung, medialer Vermittlung und Imagination. Der Raum wird zum sozialen Experiment: ein Ort, an dem Sichtbarkeit zugleich Bestätigung und Entblößung bedeutet – und an dem das Sehen selbst zur performativen Handlung wird.
